Die Kunstgeschichte nennt den Grenzbereich zwischen Form und Nichtform, in dem sich die
Bilder von Anna Ghadaban aufhalten, informelle Malerei.

Form ist hier mehr Prozess als Resultat, sie erscheint in Stadien des Werdens und
Vergehens. Bewegung und Offenheit sind wichtiger als Eindeutigkeit und Verfestigung.
Die malende oder zeichnende Hand verfügt über die Freiheit der Geste.
 

Einsamer Hain III  2012    55x76 cm   Gouache+Tusche
 

Im Unterschied zu den meisten Vertretern des Informel geht Anna Ghadaban bei ihren Bildern
von etwas Gesehenem aus. Dieser Anlass ist meist eine menschliche Figur. Die Zeichnung hält
mit wenigen Strichen fest, was die jeweilige Haltung zum Ausdruck bringt.
Sprache des Körpers - öffnet er sich dem Raum oder kehrt er sich nach innen.

Anna Ghadaban zeichnet mit dem Blick, der von innen erfasst. Die wenigen Tuschestriche grenzen
Flächen ein und setzen sie in Beziehung, ihre Spannung ist die Grundlage des späteren Bildes.
Das Bild entsteht aus der Begegnung zwischen organischen Linien der Zeichnung und dem Bildraum.
Eine Spannung ist vorgegeben durch den Konflikt zwischen Formfindung und Formauflösung.
Den bildnerischen Mitteln sind dabei unterschiedliche Rollen zugeteilt:
Aquarellfarben und Pastellkreiden werden eingesetzt um Formen zu öffnen

und aufzulösen. Deckende Gouache und Acrylfarben hingegen wirken abgrenzend.
Sie erzeugen geschlossene, stabile Farbzonen. Kraftvolle Tuschelinien und Kreideschraffuren
überlagern die farbliche Gestalt des Bildes. Sie greifen in die Schönheit der Farbe ein und verhindern
ihre Selbstgefälligkeit.
Die verschiedenen Schichten des Malens, die meist erkennbar bleiben, legen den Prozess der Form
offen. Anfang und Ende berühren sich .

Dr. Gerlinde Schmidt / Kunsthistorikerin Frankfurt
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